Aufmacher-Foto für den Blog-Beitrag zu Impfstatus-Tests auf www.katicares.com

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Impfstatus-Test

REICHT MEIN SCHUTZ NOCH AUS?

Wer wissen will, ob die eigene Corona-Impfung erfolgreich war, kann dies mit einem Impfstatus-Test überprüfen. Wie geht das und wie sinnvoll sind diese Tests? Ich habe es ausprobiert – mit Unterstützung von zwei charmanten älteren Damen.

Hamburg – Aktuell stecken wir mitten in der vierten Covid-Welle. Während Politik und Öffentlichkeit über eine Impfpflicht diskutieren, beschäftigt mich als Kontaktperson mehrerer älterer Menschen die Frage, wie gut mein Impfschutz nach zwei Dosen Biontech/Pfizer tatsächlich ist. Als mir ein Hersteller sogenannter Impfstatus-Tests für Zuhause anbietet, einen solchen auszuprobieren, ergreife ich die Gelegenheit

Impfstatus-Test: Anwendung der Lanzette

Mit der knallgrünen Lanzette pikse ich mir in den Finger

Das Prinzip des Tests: Anhand einiger Tropfen getrockneten Blutes überprüfen Fachleute in einem Labor, in welcher Menge Antikörper gegen das sogenannte S-Protein vorhanden sind. Diese bilden sich im Körper nach einer Impfung und können verhindern, dass das Virus Zellen infiziert.

Per Post erhalte ich ein Testkit, mit dem ich mittels Lanzette Blut aus meinem Finger gewinne und auf eine Pappkarte tropfe. Eine Lanzette ist eine kurze Nadel in einem Plastikgehäuse, mit der man sich in die Haut pikst – ähnlich wie bei einem Eierstecher. Bis es mir gelingt, genug Blut aus meinem Finger zu quetschen, brauche ich einige Versuche und etwas Geduld. Die Blutprobe lasse ich trocknen und schicke sie in dem beiliegenden Umschlag ins Labor.

ERGEBNIS DES IMPFSTATUS-TESTS: POSITIV

Impfstatus-Test: Blutprobe versenden

Die getrocknete Blutprobe schicke ich per Post ins Labor

Zwei bis drei Tage später kann ich das Ergebnis online abrufen. Es lautet „positiv“, wobei sich dies auf das Vorhandensein ausreichender Antikörper bezieht. Auch ein genauer Wert wird dort angegeben, und zwar ein sogenannter Antikörper-Titer von mehr als 428,2 BAU/ml. BAU steht für Binding Antibody Units, das ist Englisch und bezeichnet einen Standard der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Weil ich nicht genau weiß, wie ich den Wert einordnen soll, frage ich eine Expertin um Rat. „Welcher Antikörperwert für einen ausreichenden Schutz steht, lässt sich derzeit noch nicht sicher sagen“, erklärt mir Constanze Lange, Fachärztin für Laboratoriumsmedizin im Zentrallabor Dr. Kramer und Kollegen in Geesthacht.

„Ab diesem Wert ist man mehr als ausreichend geschützt“, versichert mir hingegen eine wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Forschung & Entwicklung des Herstellers des Selbsttests, Adversis Pharma. Dabei bezieht sie sich auf eine Studie, die in dem Fachmagazin „Nature Medicine“ erschienen ist. Demnach liegt der Schutz vor einer symptomatischen Infektion bei einem Antikörperspiegel von 264 BAU/ml bei 80 Prozent, bei 899 BAU/ml sind es 90 Prozent. Für alle, die es genau wissen möchten, habe ich den Artikel hier verlinkt.

Meine Mutter testet ihren Impfstatus

„Gar nicht so leicht“, fand meine Mutter es, alle Schritte des Impfstatus-Tests korrekt umzusetzen

Die Studie sagt jedoch nur etwas über die Alpha-Variante im Vereinigten Königreich aus, nicht über die hierzulande momentan (Stand: November 2021) vorherrschende Delta-Variante des Virus. „Wir warten immer noch auf umfassende Studien, die die verschiedenen Varianten berücksichtigen und nicht nur eine Variante, einen Impfstoff und eine Population“, so die Mitarbeiterin von Adversis Pharma.

BOOSTER-IMPFUNG ABHÄNGIG VOM IMPFSTATUS?

Seit Kurzem rät die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Erwachsenen zu einer Booster-Impfung. Als 41-jährige, im Sommer zweifach geimpfte Frau ohne nennenswerte Vorerkrankungen fühle ich mich aber momentan noch gut geschützt – auch unabhängig von meinem Antikörperwert. Gern lasse ich daher Seniorinnen und Senioren den Vortritt.

Denn so viel ist klar: „Bei den meisten Menschen über 70 Jahren fallen die Antikörper schneller ab“, betont Lange. Ihnen empfiehlt die STIKO bereits seit Anfang Oktober eine sogenannte Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff, also Biontech/Pfizer oder Moderna (eine verständliche Erklärung, wie mRNA-Impfstoffe wirken, habe ich euch hier verlinkt). Diese erfolgt in der Regel 6 Monate nach der Grundimmunisierung, die bei den meisten Impfstoffen 2 Wochen nach der zweiten Impfung abgeschlossen ist. Die Auffrischungsimpfungen erhalten Seniorinnen und Senioren von ihren Haus-, oder Fachärzten. Zum Teil bieten auch Gesundheitsämter und andere kommunale Stellen sowie mobile Impfteams Booster-Impfungen an.

IMPFSTATUS-TEST FÜR SENIORINNEN UND SENIOREN SINNVOLL?

Vor der Auffrischungsimpfung einen Impfstatus-Test durchzuführen, empfehlen Fachleute Seniorinnen und Senioren aber nicht. „Da man davon ausgehen kann, dass bei älteren Menschen der Antikörperwert nach einer gewissen Zeit deutlich sinkt, ist eine weitere Impfung in jedem Fall sinnvoll“, betont die Laborärztin Lange.

Ob jung oder alt – wer dennoch herausfinden möchte, wie hoch der eigene Antikörperspiegel ist, muss die Kosten dafür selbst tragen. „Ausnahmen gibt es nur auf ärztliche Verordnung für Menschen, deren Immunsystem beeinträchtigt ist, etwa bei Rheuma, Krebserkrankungen oder nach Organtransplantationen“, so Lange. Selbsttests für Zuhause liegen bei rund 50 Euro. Günstiger ist es, wenn ihr euch in einer Arztpraxis testen lasst. Bei meiner Hausärztin würde das zum Beispiel 25 Euro kosten und wäre auch kurzfristig möglich, erfahre ich auf Nachfrage. Anders als beim Selbsttest wird dafür ganz normal Blut abgenommen und ins Labor geschickt.

Sehr alte Dame hat sich am Impfstatus-Test versucht

„Da soll jetzt Blut rauskommen?“ Meine Oma und ich haben es nicht hingekriegt, mit dem Testkit eine Blutprobe von ihr zu nehmen

WIE IST DER IMPFSTATUS MEINER MUTTER?

Da ich noch zwei Testkits übrig habe, möchte ich jetzt auch noch überprüfen, wie gut der Impfstatus-Test bei älteren Menschen funktioniert. Als erstes kommt meine Mutter an die Reihe, 66 Jahre alt und grundimmunisiert mit der Kreuzimpfung aus Astrazeneca und Biontech/Pfizer. Sie führt den Test gut zwei Wochen nach der zweiten Impfung durch – und erhält exakt dasselbe Ergebnis wie ich: ein Antikörper-Titer von mehr als 428,2 BAU/ml.

Genau derselbe Antikörperwert? Das macht mich etwas stutzig, also hake ich bei Adversis Pharma nach. Ich erfahre, dass der Messbereich bei einem Wert von 428,2 BAU/ml endet. Das heißt, meine Mutter und ich haben vermutlich sogar noch mehr Antikörper, die aber mit der verwendeten Messung nicht erfasst werden konnten.

FÜR ÜBER 90-JÄHRIGE IST DER IMPFSTATUS-TEST EHER UNGEEIGNET

Nun will ich auch wissen, wie erfolgreich die zweifache Impfung mit Biontech/Pfizer meiner fast 90-jährigen Oma war. Dafür gibt es sogar einen aktuellen Anlass, denn sie ist sich nicht sicher, ob sie noch eine dritte Dosis braucht. Meine heimliche Hoffnung: Wenn rauskommt, dass ihr Antikörperwert nicht mehr so hoch ist, stimmt sie der Booster-Impfung zu. Leider wird daraus nichts, da wir es nicht hinbekommen, ihr mit der Lanzette so in den Finger zu stechen, dass Blut heraus tropft. Für sehr hochaltrige Menschen scheint so ein Selbsttest für Zuhause in der Handhabung also eher ungeeignet, stelle ich fest.

Als ich am nächsten Tag mit meiner Oma spreche, hat sich das Thema zum Glück auch schon erledigt: Ihre Hausärztin hat sich bei ihr gemeldet und einen Termin vereinbart, an dem jemand zu ihr kommt und ihr die dritte Impfung verabreicht.

 

Dieser Beitrag wurde am 30. November 2021 veröffentlicht.

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