Uwe lebt im Pflegeheim und gibt Bloggerin Kati per Skype ein Interview

Uwe lebt im Pflegeheim und gibt Bloggerin Kati per Skype ein Interview

Besuchsverbot im Pflegeheim

HEIMKOLLER? BIS JETZT NOCH NICHT

Pflegeheime in Zeiten von Corona: Wie lebt es sich hinter verschlossenen Türen? Im Skype-Interview spricht ein Heimbewohner über seine Ansichten zum Besuchsverbot im Pflegeheim.

Corona-Pandemie in Deutschland. In Pflegeheimen gelten Besuchsverbote. Auch hinaus dürfen die Bewohner nicht. Die Maßnahmen dienen dem Schutz der Senioren, die zur besonders gefährdeten Risikogruppe gehören. Sie sind wichtig und richtig. Gleichzeitig schränken sie aber die Selbstbestimmung der Menschen in den Einrichtungen enorm ein.

Ich wollte wissen, wie sich das anfühlt – und habe mit Uwe gesprochen. Der 88-Jährige lebt zusammen mit seiner Frau in einem Pflegeheim in Schleswig-Holstein. Für unser Gespräch haben wir ein Video-Interview per Skype geführt. Das kam bei Uwe richtig gut an.

Uwe: Das ist ein viel besserer Kontakt, als wenn man sich nur hört.

Kati: Ja, das stimmt und es freut mich, dass es geklappt hat. Haben Sie denn auch schon mit Ihren Angehörigen geskyped?

Uwe: Bis jetzt noch nicht, aber das haben wir uns für Ostern vorgenommen, da wir uns ja nicht, wie sonst immer, sehen, umarmen und miteinander essen können.

Kati: Wie fühlt es sich an, im Pflegeheim praktisch „eingesperrt“ zu sein?

Uwe: Hier drinnen geht das Leben eigentlich ganz normal weiter, denn für uns Bewohner untereinander gilt das Kontaktverbot nicht. Wir essen zusammen in der Wohngruppe und gehen hinaus in den Garten. Dieses Miteinander erleichtert es uns sehr, damit umzugehen.

Kati: Besucher von außen sind aber tabu. Was macht das Besuchsverbot im Pflegeheim mit Ihnen?

Uwe: Ich habe ja das Glück, dass ich zusammen mit meiner Frau im Pflegeheim lebe – wir sind also nicht getrennt. Aber dass ich meine Kinder und Enkel nicht sehen kann, ist schon schwer. Da wird einem nochmal bewusst, wie wichtig soziale Kontakte sind. Die anderen Bewohner, die allein hier sind, trifft das natürlich noch viel härter.

Kati: Ihre Frau hat Demenz. Versteht sie, was gerade los ist?

Uwe: Sie weiß, dass unsere Kinder nicht kommen können und wir das Gelände nicht verlassen dürfen. Sie versteht auch, dass es dafür eine logische Erklärung gibt. Was genau es mit dem Corona-Virus auf sich hat, vergisst sie aber immer wieder – auch wenn ich es ihr jeden Abend erkläre.

Uwe und seine Frau leben gemeinsam im Pflegeheim

Uwe und seine Frau haben Glück: Sie leben gemeinsam im Pflegeheim – und sind so auch in Zeiten von Corona zusammen (Foto: Gregor Ott / Tobias-Haus)

Kati: Sie sind normalerweise ziemlich aktiv. Wie empfinden Sie das Ausgangsverbot?

Uwe: Ich liebe die Geselligkeit, gehe gern mal mit anderen ins Restaurant, esse eine Pizza und trinke ein alkoholfreies Bier. Das geht momentan natürlich nicht und das fehlt mir schon.

Kati: Wie erleben Sie die Unterstützung der Mitarbeiter des Pflegeheims in dieser Zeit?

Uwe: Es ist sehr stabilisierend, was hier für uns getan wird. Dabei gehen alle unterschiedlich mit der Krise um und geben, was sie geben können. Erst heute habe ich eine sehr schöne Situation erlebt, als ich zusammen mit einer Alltagsbegleiterin bei einer Bewohnerin war, die sich schwach und mutlos fühlte. Dabei ist es uns gelungen, ohne Stress aufeinander zuzugehen und unsere Wertschätzung darüber auszudrücken, dass wir hier zusammen sind.

Kati: Haben Sie Angst davor, was passieren könnte, wenn sich jemand in dem Pflegeheim mit Covid-19 infiziert?

Uwe: Angst um mich habe ich nicht, denn ich bin ja hierher gezogen in dem Wissen, dass es meine letzte Lebensphase ist und setze mich damit schon eine ganze Weile auseinander. Aber ich mache mir Sorgen um die Folgen, die das für die Mitarbeiter und die Verantwortlichen hätte.

Kati: Ostern werden Sie mit Ihren Angehörigen skypen, statt sie zu sehen. Was ist noch anders als sonst?

Uwe: Da Pfarrer ja keine Andachten halten dürfen, schicken sie uns Texte. Das ist für mich aber nicht der richtige Weg, denn Gedrucktes schafft zu viel Abstand im Vergleich zur persönlichen Begegnung. Besser gefällt mir eine andere Idee, bei der ich in der Karwoche täglich einige Zeilen zur Besinnung per E-Mail bekomme. Diese basieren auf Bibeltexten und sind um kurze Ausführungen und Deutungen ergänzt.

Außerdem werde ich unsere Wohnküche in diesem Jahr zum ersten Mal österlich schmücken und alle Mitbewohner bitten, eigenen Osterschmuck oder Dinge, die ihnen am Herzen liegen, beizusteuern. Das ist aber eine Idee, die wir unabhängig von dem Corona-Virus hatten.

Kati: Vielen Dank für das Gespräch!

Uwe ist übrigens ein alter Bekannter. Über seinen Umzug ins Pflegeheim habe ich auch schon auf dem Blog berichtet. Zu dem Beitrag geht es hier.

 

Dieser Beitrag wurde am 12. April 2020 veröffentlicht.

Anmerkung der Autorin

Mit dem Alten- und Pflegeheim Tobias-Haus in Ahrensburg fühle ich mich besonders verbunden. Während meines pflegewissenschaftlichen Masterstudiums habe ich dort als Betreuerin gearbeitet, um den Alltag in einer Pflegeeinrichtung kennenzulernen. Seit Mai 2017 unterstütze ich das Haus bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Idee, Bewohner in meinem Blog zu porträtieren, hatte ich schon vorher und unabhängig von dieser Tätigkeit. Ich mache das, weil ich die Geschichten der Bewohner spannend und erzählenswert finde und werde dafür nicht bezahlt. Das Interview mit Uwe spiegelt lediglich seine beziehungsweise meine persönliche Sicht wider.

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