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Sofie, Aktivistin beim Walk of Care

Sofie, Aktivistin beim Walk of Care

Walk of Care in Berlin

KRANKENPFLEGESCHÜLER AN DIE MACHT!

Sofie (20) ist eine von rund 15 Aktivisten, die zum Walk of Care am 12. Mai 2017 in Berlin aufrufen. Ich habe sie zum Interview getroffen, mit ihr über die Ziele der Bewegung und die Situation von Senioren im Krankenhaus gesprochen

Kati: Sofie, wer seid ihr und wofür demonstriert ihr beim Walk of Care am internationalen Tag der Pflege?

Sofie: Wir sind ein freiwilliger Zusammenschluss Auszubildender von neun der insgesamt 15 Berliner Krankenpflegeschulen. Im Oktober 2016 haben wir uns vernetzt, seitdem stehen wir in intensivem Austausch miteinander. Dabei haben wir festgestellt, dass es in unserer Ausbildung und in der Pflege generell Dinge gibt, die wir verändern wollen.

Kati: Was genau sind eure Forderungen?

Sofie: Wir fordern mehr Zeit für die Patienten, um eine menschenwürdige Pflege zu ermöglichen. Es sollte eine verbindliche Personalbemessungsgrenze für Krankenhäuser geben, deren Nicht-Beachtung mit Sanktionen bestraft wird. Was die Ausbildung angeht, machen wir uns für eine gesetzliche Regelung der Pflegeanleitung stark. Es kann nicht sein, dass wir – der Nachwuchs – als billige Arbeitskräfte missbraucht werden, anstatt eine ordentliche Ausbildung zu erhalten. Pflege ist schließlich mehr, als waschen und Betten machen oder Händchen halten – auch wenn dafür natürlich auch Zeit da sein muss.

Kati: Was stört dich denn persönlich am meisten? Nenn doch mal ein Beispiel.

Sofie: Mir tun vor allem die Patienten leid. Immer fehlt uns die Zeit für sie. Ich bin schon oft mit dem Gefühl nach Hause gegangen, meine Patienten nicht richtig versorgt zu haben.

Kati: Senioren kommen ja besonders häufig ins Krankenhaus. Was muss sich deiner Meinung nach mit Blick auf diese Patienten ändern?

Sofie: Das Krankenhaus, in dem ich lerne, hat einen Schwerpunkt auf Nierenheilkunde. Deshalb haben wir sehr viele alte Patienten. Für sie gelten im Grunde die gleichen Anforderungen wie für alle anderen, wobei sie vermutlich noch stärker unter dem hohen Tempo und den gestressten Mitarbeitern leiden. Hinzu kommt, dass bei Menschen mit Demenz, deren Anteil unter den Patienten deutlich zugenommen hat, besondere Angebote wie zum Beispiel Musik, Bewegung oder vertraute Symbole sinnvoll wären, um ihnen die Angst zu nehmen und Orientierung zu geben. Wir hatten das Thema Demenz in unserer Ausbildung – allerdings viel zu kurz und oberflächlich. Darüber würde ich gern mehr lernen.

Kati: Um den Walk of Care anzukündigen, habt ihr im Vorfeld ein sehr unterhaltsames und vor allem positives Video [siehe unten] in den sozialen Netzwerken verbreitet. Bei der Demonstration am Freitag werden Musiker dabei sein, um die Stimmung anzuheizen. Klingt ja fast nach einer netten Party…

Sofie: Es geht uns darum zu zeigen, dass die Pflege jung und aktiv ist und eine Stimme hat. Wir wollen die Leute dazu bewegen, aufzustehen statt zu jammern und zu meckern. Ganz wichtig ist uns auch, zu betonen, dass wir nicht nur gegen etwas sind. Wir lieben unseren Beruf und wollen die Rahmenbedingungen FÜR eine bessere Pflege verändern. Außerdem wird es auf der Demo selbstverständlich auch inhaltliche Beiträge geben, unter anderem von Markus Mai von der Pflegekammer Rheinland-Pfalz, Christine Vogler von der Wannsee-Schule sowie von Vertreterinnen und Vertretern von ver.di und dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe, kurz DBFK.

Kati: Was halten eure Schulen – die ja in einigen Fällen auch eure Arbeitgeber sind – davon, dass ihr gegen eure Ausbildung demonstriert?

Sofie: Wir kritisieren ja das System und nicht die Ausbilder. Unsere Schulen stehen dabei zum Glück hinter uns. Einige beenden am Freitag sogar vorzeitig den Unterricht, damit die Schüler rechtzeitig zum Walk of Care kommen.

Kati: Der Walk of Care ist eine Aktion der Berliner Krankenpflegeschüler. Dürfen auch Menschen aus anderen Professionen und Bundesländern mitlaufen?

Sofie: Auf jeden Fall! Berlin ist erst der Anfang – wir wünschen uns, dass daraus eine große Bewegung der gesamten Gesundheitsbranche entsteht. Jeder, der uns unterstützen möchte, ist willkommen.

Hier könnt ihr euch das Video von Sofie und den anderen Aktivisten ansehen

Gut zu wissen

  • Aktuelle Infos zum Walk of Care (am Freitag in Echtzeit) findet ihr auf Instagram und Twitter unter dem Hashtag #walkofcare
  • Ich [Kati] werde auch dabei sein, Fotos machen und auf Twitter, Instagram und Facebook posten. Also, folgt mir oder kommt am besten selbst nach Berlin!

Flyer zum Walk of Care: Auf nach Berlin! Am Freitag (12.5.2017) wird demonstriert

Flyer zum Walk of Care: Auf nach Berlin! Am Freitag (12.5.2017) wird demonstriert

Der Walk of Care ist auch auf Facebook und Instagram

Dieser Artikel wurde am 11. Mai 2017 veröffentlicht

1 Kommentar

  1. Marion Knorr sagt:

    Habt ihr super gemacht!!! ich konnte leider nicht kommen da im Dienst!!! Aber es ist ja n och nicht „vorbei“

    beste Grüße

    Marion Knorr 😉

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