Senioren in Jork – Ausflug ins Alte Land

Senioren in Jork – Ausflug ins Alte Land

Senioren in Jork

KAFFEKLATSCH IM ALTEN LAND

Fotos gucken und in Erinnerungen schwelgen: zu Besuch bei meiner Großtante in Jork.

Hamburg – Mein Navi hat Orientierungsprobleme. Offensichtlich ist die Kattwykbrücke gesperrt, die über die Süderelbe in Richtung Moorburg führt. Ich kenne mich hier überhaupt nicht aus. Doch zum Glück habe ich noch ein Navi dabei: meine Oma. Die gibt mir, die monotone Stimme der Dame aus dem kleinen Monitor an der Windschutzscheibe demonstrativ ignorierend, sowieso schon die ganze Zeit Anweisungen. Kein Wunder, schließlich fahren wir ins Alte Land, die Gegend, in der sie ihre Jugend verbrachte.

Ich schalte das Gerät ab und mache, was die 85-Jährige auf dem Beifahrersit sagtz. Dafür, dass sie schon seit mindestens 50 Jahren nicht mehr selbst Auto fährt, kennt sie sich erstaunlich gut aus. Wir nehmen den Weg über Harburg und gelangen ohne weitere nach Jork.

SENIOREN IN JORK – BESUCH BEIM GRAB DER ELTERN

Zuerst halten wir beim Friedhof, wo meine Oma Blumen auf das Grab ihrer Eltern legt. Vorgestern wäre der 115. Geburtstag ihrer Mutter gewesen. 1999 starb sie im Alter von 96 Jahren. Der Vater meiner Oma, der 6 Jahre jünger war als seine Frau, starb bereits 1995 im Alter von 86 Jahren.

Das Paar stammte aus dem Ostpreußischen Duglossen, das während des Nationalsozialismus den deutschen Namen „Langheide“ trug. Seit 1945 gehört es zu Polen und heißt heute Długosze. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges flohen sie mit ihren 6 Kindern – 5 Töchter und ein Sohn – ins Alte Land, wo sie als Hilfsarbeiter bei Obstbauern unterkamen.

KAFFEEKLATSCH IN DER KÜCHE

Wir fahren weiter zu der jüngeren Schwester (84) meiner Oma. Sie erwartet uns schon – mit Kaffee und selbst gebackenem Pflaumenkuchen. Eigentlich wollte sie im Wohnzimmer decken. Doch dann beschließen die alten Damen kurzerhand, dass es in der Küche viel gemütlicher ist. Eine gute Entscheidung.

Meine Großtante ist Witwe, wie auch meine Oma. Ihr Mann war Obstbauer, heute bewirtschaften ihre Söhne den Hof. Eine Nachbarin gesellt sich zu uns, es zieht ein Gewitter auf und sie ist mit dem Fahrrad unterwegs. Besser, sie wartet bei uns im Trockenen. Obwohl es erst Mitte September ist, beginnt es stark zu hageln. „Hoffentlich nicht so hart, dass es den Äpfeln schadet“, sagt meine Großtante. Wir sind eigentlich gekommen, um welche zu pflücken – doch das wird wohl heute nichts mehr.

IN ALTEN FOTOS KRAMEN – EIN NACHMITTAG MIT SENIOREN IN JORK

Stattdessen essen wir alle noch mindestens ein zweites Stück Kuchen, machen es uns in der Küche gemütlich und quatschen. Es geht um die Musiksendung mit Florian Silbereisen die gestern im Fernsehen kam, und die natürlich alle außer mir gesehen haben. „Bei den alten Liedern, da kamen mir fast die Tränen“, sagt meine Großtante. Irgendwann holt sie einen Karton mit Fotos hervor, die wir begeistert durchsehen. Es ist schön, die Anekdoten der alten Damen dazu zu hören.

Wir bemerken fast nicht, wie die Zeit vergeht. Doch dann ist es schon fast abends. Das Wetter hat sich beruhigt, die Nachbarin radelt nach Hause. Oma und ich wollen noch ein paar Äpfel mitnehmen. Meine Großtante führt uns in ein großes Kühlhaus, in dem sich die Obstkisten stapeln. Erstaunlich behände strecken sich die über 80-jährigen, um Äpfel aus der obersten Kiste zu holen.

Dann ist es Zeit, uns auf den Heimweg zu machen. Auf der Rückfahrt schalte ich das Navi gar nicht erst ein. Oma weiß sowieso am besten, wo es lang geht.

Mehr über meine Oma erfahr ihr hier

Dieser Artikel wurde am 14. Oktober 2017 veröffentlicht

2 Kommentare

  1. Christel sagt:

    Liebe Kati, wir haben gerade deinen tollen Bericht gelesen. Du bist jeder Zeit bei uns herzlich willkommen. Ganz liebe Grüße, Christel

  2. Kati sagt:

    Liebe Christel, vielen Dank. bestimmt kommen wir bald mal wieder zu Besuch! Liebe Grüße, Kati

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