Pflege-Hotelim Test

Meine Oma und ich testen ein Pflege-Hotel an der Ostsee

Pflegehotel an der Ostsee

OMA UND ICH TESTEN EIN PFLEGEHOTEL

Das Kurhaus am Fehmarnsund in Großenbrode bietet Betreuung für Menschen mit Demenz an, damit ihre pflegenden Angehörigen entspannen können. Wir haben das Pflegehotel für eine Kooperation mit der AOK NORDWEST getestet.

Großenbrode – Was für ein Frühling: Es ist grade mal 10 Uhr, und schon über 20 Grad warm in Hamburg. Ich bin begeistert von den hochsommerlichen Temperaturen. Doch vielen Senioren machen sie zu schaffen: Die Beine schwellen an, der Kreislauf spielt verrückt und das viele Wasser, das man bei diesem Wetter trinken muss, zieht zusätzliche Toilettenbesuche nach sich. Ein Glück, dass meine Oma und ich der Stadt an diesem Wochenende den Rücken kehren und an die Ostsee fahren.

Pflegehotel Landhaus am Fehmarnsund der AWO Außenaufnahme

Das Pflegehotel Landhaus am Fehmarnsund

Unser Ziel: das Landhaus am Fehmarnsund in Großenbrode (Schleswig-Holstein) der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Das Kurhaus hat ein besonderes Angebot entwickelt: Menschen mit Demenz werden hier tagsüber von ausgebildeten Alltagsbegleitern betreut – und ihre pflegenden Angehörigen können endlich mal ausspannen. Meine Oma und ich haben zwar beide keine Demenz, aber wir testen das Hotel für eine Kooperation mit der gesetzlichen Krankenkasse AOK NORDWEST für die Kampagne Pflege #vorbessern.

Entlastung und Vorsorge für pflegende Angehörige

Das grau-gelbe Hotelgebäude ist unscheinbar, fast wären wir daran vorbei gefahren. Am Empfang begrüßt uns Carmen Stricker aus der Verwaltung und geleitet uns mit dem Fahrstuhl ins erste Stockwerk. Unsere Zimmer sind einfach eingerichtet, aber barrierefrei und sehr sauber. Sie liegen direkt nebeneinander, dazwischen gibt es eine Verbindungstür, durch die wir schnell bei der anderen drüben sind. Neben diesen Tandemzimmern gibt es auch ganz normale Doppelzimmer sowie Doppelzimmer mit einem kleinen Extra-Raum, in dem Platz für ein Bett oder einen Tisch und ein Sofa ist.

Jedes unserer Zimmer ist mit Bad und Balkon ausgestattet, letzterer liegt auf dieser Seite des Hauses jedoch leider zur Straße raus. Während ich ein Doppelbett habe, steht bei meiner Oma ein Pflegebett. „Das ist nicht in allen Zimmern so und kann auch je nach individuellen Bedürfnissen verändert werden“, sagt Frau Stricker. Meine Oma hat zwar einen Rollator, aber ein Pflegebett braucht sie eigentlich nicht. Wie um das zu unterstreichen, vollzieht sie erst mal ausgiebige Dehn- und Streckübungen.

Dehn- und Streckübungen auf dem Pflegebett

Dehn- und Streckübungen: Meine Oma brauch eigentlich kein Pflegebett

Deftige Hausmannskost im Pflegehotel

Kurz nach 12 Uhr gehen wir nach unten ins Restaurant „Fischerglück“. Die meisten anderen Gäste sitzen schon an den Tischen und nicken uns freundlich zu. Es ist Freitag und so gibt’s heute Fisch mit Kartoffelsalat. Die Alternative wären Tortellini – es stehen immer zwei Gerichte zur Auswahl. Wenn man deftige Hausmannskost mag, ist das Essen auf jeden Fahl zu empfehlen. Außerdem ist das Küchenpersonal sehr nett, trägt einem bei Bedarf den Teller an den Tisch und geht geduldig auf besondere Vorlieben ein – zum Beispiel, wenn jemand wie ich kein Fleisch isst.

Tanzen und den Alltag vergessen

Zur Freude meiner Oma steht am Abend Musik auf dem Programm. Zusammen mit einem guten Dutzend anderer Gäste sitzen wir nach dem Abendbrot in der Lobby. Mit bekannten Schlagern wie „Kalkutta liegt am Ganges“ oder „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“, heizt uns ein Diskjockey aus dem Ort ein. Einige Gäste sind schon auf der Tanzfläche. Meine Oma und ich schunkeln zuerst im Sitzen, dann stehen auch wir auf und tanzen ebenfalls.

Für mich ist das etwas ganz Besonderes, da meine Oma in den letzten Monaten immer häufiger an Schmerzen in den Beinen litt, und kaum noch unter Leute gegangen ist. Und ich merke, dass auch die anderen um uns herum es genießen, mal wieder ausgelassene Momente miteinander zu verbringen.

Betreuung für Menschen mit Demenz im Pflegehotel

Die Betreuungsgruppe für Gäste mit Demenz bietet das Landhaus am Fehmarnsund täglich von 8.30 bis 12 Uhr sowie von 14.30 bis 18 Uhr an. Am Samstagmorgen gehen meine Oma und ich gemeinsam hin. Wir trinken Kaffee, unterhalten uns mit den Betreuern Rainer und Regine sowie mit den sieben Gästen, die an diesem Tag da sind, und singen gemeinsam. Die Stimmung ist angenehm und entspannt, nur eine Frau antwortet grundsätzlich mit „Nein“ oder „Hau ab!“, wenn man sie anspricht.

Betreuungsgruppe für Menschen mit Demenz: Aktivierung im Garten

Betreuungsgruppe für Menschen mit Demenz: Aktivierung im Garten

Die Betreuungsgruppe war nett, doch den Nachmittag wollen meine Oma und ich lieber zu zweit verbringen. Wir fahren an den Strand, um ein bisschen spazieren zu gehen und ein Eis zu essen. Da meine Großeltern früher ganz in der Nähe Dauercamper waren, verbinden wir mit dem Café viele schöne Erinnerungen. Bevor wir am nächsten Morgen abreisen, lassen wir das gemeinsame Wochenende Revue passieren. „Ich bin ganz stolz, dass du so viel mitgemacht hast, Omi“, sage ich. Und sie erwidert: „Ja, das wundert mich selber“.

Mehr über mein Wochenende im Pflege-Hotel an der Ostsee erfahrt ihr hier

Veröffentlicht am 27. Juni 2018

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