Doris Kreinhöfer und der Moderator Carlo von Tiedemann setze sich für eine demenzfreundliche Gesellschaft ein

Bei der Hamburger Konfetti-Parade, einer Aktion für eine demenzfreundliche Welt: Doris Kreinhöfer und der Moderator Carlo von Tiedemann

Demenzsensibel

FÜR EINE DEMENZFREUNDLCHE WELT

Mit einem Piktogramm setzt eine Kampagne aus Hamburg ein Zeichen für kulturelle Teilhabe von Menschen mit Demenz.

Hamburg – Früher sind Marianne und Egon gern zum Skat gegangen oder beim Tanztee durch den Saal gewirbelt. Doch mit den Jahren wurde Egon ziemlich tüddelig und die Orientierung fällt ihm schwer. Manchmal bringt ihn das so durcheinander, dass er laut ruft oder unruhig umher läuft. Ausgegangen ist das Ehepaar schon lange nicht mehr – zu groß ist die Angst, negativ aufzufallen oder sogar jemanden zu verärgern.

Marianne und Egon sind erfunden. Doch ihr Problem ist real und es belastet viele Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Die Erkrankung führt zu sozialer Isolation – oft begründet durch Scham und die Schwierigkeiten des sozialen Umfelds, mit den „seltsamen“ Verhaltensweisen des demenziell Veränderten umzugehen.

EIN ZEICHEN SETZEN – DEMENZSENSIBEL SEIN

Hamburger Kulturanbieter setzen sich nun dafür ein, dass die Gesellschaft sich für Menschen mit ungewöhnlichem Verhalten öffnet – damit diese sich nicht mehr verstecken müssen, sondern zurück ins Leben können. Dafür haben Sie ein Piktogramm entwickelt, das (analog zu dem Zeichen für Barrierefreiheit) für Demenzsensibilität steht. Es deutet das Porträt eines Menschen an, aus dessen Kopf Blasen aufsteigen.

Ein Zeichen, das für demenzsensible Kultur- und Dienstleistungsangebote steht

So sieht es aus: Das Piktogramm für Demenzsensibilität

Mitmachen kann jeder Kulturanbieter, Dienstleister, Einzelhändler oder Ökonom der sagt: „Bei mir sind auch Menschen mit Demenz willkommen – also Personen, die sich gegebenenfalls anders verhalten, als das ,normal’ ist.“ Nach einer Anmeldung und Anfrage auf der Seite der Kampagne bekommen die Teilnehmer das Piktogramm zum Einbinden in ihre Homepage oder andere Werbematerialien. Außerdem erhalten sie einen Eintrag in die Übersichtskarte, auf der Interessenten demenzsensible Angebote in ihrer Nähe finden können.

NIEDRIGSCHWELLIG FÜR ANBIETER UND BESUCHER

Außer Toleranz und Offenheit gegenüber Menschen mit Demenz gibt es keine Voraussetzungen für die Nutzung des Piktogramms. „Bewusst haben wir uns gegen weitere Kriterien entschieden. Es geht nicht darum, eine Qualifikation nachweisen zu müssen, sondern um das Bekenntnis, dass ich mich dem Anderssein stelle und bemüht bin, es positiv zu tragen“, sagt Doris Kreinhöfer vom Haus im Park der Körber Stiftung, das die Kampagne mit initiiert hat. Doris ist zu sehen auf dem Foto oben, wo sie mit dem Moderator Carlo von Tiedemann bei der Konfetti-Parade in Hamburg über eine demenzfreundlichere Gesellschaft spricht.

EIN GUTES LEBEN MIT DEMENZ

Natürlich gibt es auch demenzsensible Kultur- und Teilhabeangebote, die spezielle Anforderungen erfüllen. Diese Orte können das Zeichen ebenso verwenden wie Angebote, die nicht speziell demenzfreundlich ausgerichtet sind, aber kundtun möchten, dass diese Personen bei Ihnen willkommen sind. „Denn warum sollten wir Gesunden den Menschen mit Demenz vorschreiben, wo sie hingehen dürfen und wo nicht?“, so Doris.

Ziel der Kampagne ist nichts Geringeres, als eine demenzfreundlichere Welt. „Was wir für ein gutes Leben mit Demenz brauchen, ist eine Gesellschaft, die ganz natürlich damit leben und umgehen kann, dass Menschen sich anders verhalten – dafür braucht man keine Qualifikation“, sagt Kreinhöfer.

Dabei war Hamburg selbstverständlich erst der Anfang – auch Kulturanbieter aus anderen Städten sind aufgefordert, das Piktogramm für ihre Veranstaltungen zu nutzen. Seid dabei – werdet demenzfreundlich!

Foto: Katja Wolter

Dieser Artikel wurde am 24. April 2018 veröffentlicht.

Mehr Infos

Diese Kulturanbieter und -initiativen aus Hamburg haben die Demenzsensibelchen-Kampagne gemeinsam initiiert:

Körber-Stiftung

Haus im Park der Körber-Stiftung

KONFETTI IM KOPF e.V.

Kultur (er)Leben-Hamburg e.V.

Kunsthalle Hamburg

Historische Museen Hamburg

1 Kommentar

  1. Wenn es etwas innovatives, menschen- und seniorenfreundliches zu berichten gibt, ist Kati Cares Blog immer dabei. Aktuell, pfiffig und zugleich seriös, Wunderbar, weiter so und vielen Dank für den Bericht über unserer Initiatve.
    Nikolai
    KONFETTI IM KOPF e.V.

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