Arbeit statt Ruhestand – Vascos Rente reicht nicht zum Leben

Arbeit statt Ruhestand – Vascos Rente reicht nicht zum Leben

Arbeit statt Ruhestand

„MEINE RENTE REICHT NICHT ZUM LEBEN“

Vasco führt seit vielen Jahren ein Schuhgeschäft in Lissabon. Um sich zur Ruhe zu setzen, fehlte dem 78-jährigen Portugiesen bisher das nötige Geld.

Lissabon – An einem Schuhgeschäft vorbeizugehen, fällt mir mitunter schwer – vor allem, wenn da so schicke Einzelstücke in der Auslage stehen wie bei Vasco Modas in Alfama, einem der ältesten Stadtteile Lissabons. Mit einer Exkursion, bei der es um Altersbilder in Europa ging, war ich letztes Jahr im Oktober in der portugiesischen Hauptstadt.

Arbeit statt Ruhestand – Vascos Rente reicht nicht zum Leben

Vasco arbeitet seit seinem zehnten Lebensjahr in einem Schuhgeschäft

Der Geschäftsführer und Namensgeber des kleinen Ladens, Vasco, verkauft mir nicht nur zwei Paar in Portugal hergestellte Schuhe – er macht mir auch bewusst, warum in Portugal so viele alte Menschen arbeiten. „Meine Rente beträgt 14 Zahlungen von 556 Euro im Jahr – das reicht nicht zum Leben“, so der 78-Jährige. Tatsächlich kann er seine Ausgaben für sein Haus, Essen, Kaffee und Tabak damit nicht decken, rechnet mir Vasco vor.

ARBEITEN VON DER KINDHEIT BIS INS HOHE ALTER

Geboren im Jahr 1941, begann Vasco bereits nach der vierten Klasse – also im Alter von zehn Jahren – in dem Schuhladen zu arbeiten. Er lernte den Schuhhandel von der Pike auf an, blieb dabei und vor rund 27 Jahren übernahm er das Geschäft.

In seiner Umgebung hat sich seitdem viel verändert, viele seiner Landsleute können sich die Schuhe, die im Schnitt bei 50 Euro pro Paar liegen, nicht mehr leisten. Stattdessen kommen Touristen aus Deutschland, Frankreich und England, aber auch aus Haiti oder Singapur zu ihm.

Vasco steht dieser Entwicklung mit gemischten Gefühlen gegenüber. „Es gibt kaum noch Menschen, die hier leben“, bedauert er. „Auf der anderen Seite wäre das Land ohne Touristen noch ärmer“, räumt er ein.

Arbeit statt Ruhestand – Vascos Rente reicht nicht zum Leben

Vasco ist mit Leib und Seele Schuhverkäufer

EIN JAHR NOCH ARBEITEN, DANACH ENDLICH RUHESTAND

Der drahtige kleine Mann mit den weißgrauen Haaren bezeichnet sich selbst als einen Dinosaurier. Man merkt ihm an, dass er noch nicht bereit ist, sich von seinem Geschäft zu trennen. Doch seine Gesundheit macht ihm zu schaffen. „Ich huste so viel“, sagt er zwischen zwei Zigaretten, die er selbstverständlich drinnen raucht.

Gern würde er einen Käufer finden, der den Laden weiterführt, doch das könnte schwierig werden. Wahrscheinlicher ist es, dass dort ein neues Restaurant, Café oder Souvenirgeschäft eröffnet wird, für die zahlreichen Touristen, die (wie ich auch zu dem Zeitpunkt) in überteuerten Ferienwohnungen leben und so die Mieten in die Höhe treiben.

„Vielleicht mache ich noch ein Jahr, aber lange sicher nicht mehr“, betont Vasco, als er meine Schuhe poliert und sogfältig einpackt. Wenn ihr also in nächster Zeit eine Reise nach Lissabon plant, schaut doch mal vorbei bei Vasco Modas in der Rua dos Remédios 175 in Alfama – es könnte die letzte Chance sein!

Arbeit statt Ruhestand – Vascos Rente reicht nicht zum Leben

Alte Schule: Zum Weiten steckt Vasco Schuhe auf einen Besenstiel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieser Beitrag wurde am 19. Juni 2019 veröffentlicht.

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